Sonntag, 25. März 2012

Rheinpfalzartikel



Hörgeräte Luxus auf dem Dach der Welt

Jürgen und Sieglinde Leist aus Nepal zurück - Großer Andrang bei Hilfsprojekt

von Anja Stahler

"Ein Hörgerät ist dort wirklich der größte Luxus, den man sich vorstellen kann", sagt Jürgen Leist. Sein Besuch in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, wo er das Hilfsprojekt seiner Tochter Esther Leist und ihres Partners Markus Schraermeyer für Schwerhörige selbst in Augenschein nahm, hat den Hörgeräteakustiker aus Speyer beeindruckt.

Wie mehrfach berichtet, machen Esther Leist und Markus Schraermeyer auf ihrer einjährigen Motorradreise derzeit Station in Nepal, wo die Hörgeräteakustiker in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation "Nepal Association of the hard of hearing (NAHOH)" nun schon seit einigen Wochen Ohrpassstücke für Hörgeräte anfertigen. Wegen des großen Andrangs seien 20 Ohrabdrücke pro Tag keine Seltenheit, berichtet Jürgen Leist.

Die Arbeit gehe unter erschwerten Bedingungen vonstatten: "Die Räume sind winzig, und da fällt laufend der Strom aus, deswegen mussten sie Stromaggregat kaufen." Wie ein Lauffeuer habe es herumgesprochen, dass in Kathmandu Hörgeräte angepasst werden. Täglich seinen sie bei der Arbeit, schreibt Esther Leist in Ihrem Internetblog: "Aus allen Landesteilen Nepals reisen Schwerhörige an, um von den zwei Deutschen in Kirtipur versorgt zu werden."
300 Hörgeräte seien mit Hilfe von zwei Firmen aus Hamburg und Berlin gespendet worden, aus praktischen Gründen sein dafür ein Verein gegründet worden, so Jürgen Leist. Über die Wohltätigkeitsplattform www.betterplace.org seien rund 3000€ an Unterstützung zusammengekommen. Die Spendendose im eigenen Speyerer Hörgeräte-Geschäft habe bisher rund 400€ erbracht. Und Ehefrau Sieglinde überwies 800 Euro, die sie statt Geschenken zu ihrem Geburtstag bekommen hat.
Außer den beiden Deutschen engagieren sich noch zwei Australier in dem Vorhaben, dazu ein nepalesischer Ohrenarzt und der Kopf des Ganzen, der selbst schwerhörige Nepalese Macha Bhai Maharjan. "Das ist ein Kleinstprojekt", unterscheidet Jürgen Leist, und weil kein großer Apparat unterhalten werden müsse, fließe das Geld direkt in die Arbeit. Die hat eine völlig andere Wertigkeit als zuhause; "Ausnahmslos alle Fälle, die wir hier versorgen, sind hochgradig an Taubheit grenzende Schwerhörigkeiten, die ohne unsere Hilfe keinen Zugang zu einem besseren Hören hätten. Das mache uns wahnsinnig stolz", berichtet Esther Leist im Internet. Vor allem Patienten mit Mittelohr-Schwerhörigkeit, die in einem Land wie Deutschland problemlos operativ beseitigt werden könne, würden auf diese Weise versorgt, ergänzt Jürgen Leist.
"Die haben keine Ausbildung, kein Material und keine Maschinen", schildert er die prekäre Lage in Kathmandu. Daher sei es Esther und Markus sehr wichtig gewesen, die Mitarbeiter für die Zukunft im Fertigen von Ohrpassstücken anzulernen. Schon bald müsse dafür neues Material aufs Dach der Welt nachgeliefert werden. erwartet er. Die jüngste Patientin, der - auch bei sogenannten Ear-Camps ("Ohren-Lagern") auf dem Land - ein Hörgerät angepasst wurde, war noch nicht einmal ein Jahr alt, erzählt Jürgen Leist.
Mit 30 Kilogramm Gepäck flog auch Siglinde Leist im Februar nach Kathmandu. Da auch ihre neiden Kinder Deborah und Benjamin Leist ihre Schwester Esther in Kathmandu besuchten, kam es dort zu einem vollzähligen Familientreffen. "Das haben wir unter anderem bei einer gemeinsamen Motorradfahrt in den Dschungel im Süden Nepals gefeiert. Unser Treffen war für die familienorientierten Nepali eine große Attraktion", erinnern sich die Leists. Im Koffer hatten die Speyerer etliche Dosen Pfälzer Hausmacher, Ersatzteile für die Motorräder - und Karten für die Rückfahrt. Denn entgegen ihrer ursprünglichen Pläne erden Esther Leist und Markus Schraermeyer nicht nach Australien weiterreisen, sondern nach einem Aufenthalt in Thailand auf dem Landweg nach Deutschland zurückfahren. Die Visa für Mongolei, Kasachstan und Russland sind bereits beantragt. Im Sptember wollen die Abenteurer in der Heimat ankommen. 

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